FiLaC – Laserbehandlung von Analfisteln

FiLaC (Fistula-tract Laser Closure) ist eine moderne, minimalinvasive Lasertechnik zur Behandlung von Analfisteln, die erstmals 2011 von Arne Wilhelm beschrieben wurde. Bei dieser Methode wird ein Diodenlaser eingesetzt, um den Fistelgang durch kontrollierte Zerstörung seiner Epithelauskleidung zu verschließen.
FiLaC behandelt die Analfistel so schonend wie möglich. Die flexible, radial strahlende FiLaC-Faser wird mithilfe eines Führungsstrahls präzise positioniert und leitet Energie in den Fistelgang. Das Konzept der effizienten Strahlung der FiLaC-Faser gewährleistet eine optimale Nutzung der eingesetzten Energie.
Die Eingriffe werden von Dr. med. Marek Chlamtacz, FEBU, Facharzt für Urologie und Allgemeinchirurgie, durchgeführt. Wir orientieren uns seit 2004 an den Standards der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU).
Wann wird die FiLaC-Methode besonders zur Behandlung von Analfisteln empfohlen?
Die Methode ist besonders bei komplexen, hoch gelegenen transsphinkteralen Fisteln, bei Fisteln bei Frauen, bei Patienten mit Morbus Crohn sowie bei Personen mit vorbestehender Sphinkterfunktionsstörung angezeigt. FiLaC kann als Therapie der ersten Wahl bei der Behandlung komplexer Analfisteln eingesetzt werden.
Was ist eine Analfistel?
Eine Analfistel (Fistula-in-ano, perianale Fistel) ist eine pathologische, chronische Verbindung zwischen dem Analkanal und der perianalen Haut. Sie stellt einen mit Epithel ausgekleideten Tunnel dar, der die innere Öffnung im Analkanal (in der Regel auf Höhe der Kammlinie) mit der äußeren Öffnung auf der Haut im Analbereich verbindet. Eine Analfistel stellt die chronische Phase einer andauernden perianalen Infektion dar. Im Gegensatz zum perianalen Abszess, der die akute Phase der Infektion darstellt, ist die Fistel ein chronischer Zustand, der auf eine unvollständige Heilung nach Abklingen des Abszesses zurückzuführen ist.
Entstehungsmechanismus einer Analfistel – Ablauf der Ereignisse:
- Verstopfung der Analdrüse
Die Analdrüse wird durch Bakterien, Stuhlreste oder einen Fremdkörper verstopft. Dies führt zu einem Stau des Inhalts im Drüsenkanal. - Übermäßiges Bakterienwachstum
Der Stau begünstigt die Vermehrung von Bakterien. Es kommt zu einer Infektion der Drüse. - Abszessbildung
Die Infektion führt zur Bildung eines Abszesses im intersphinkterischen Raum. Dies ist die akute Phase einer perianalen Infektion. - Ausbreitung des Abszesses
Der Abszess kann sich in verschiedene Richtungen ausbreiten:- Meistens nach unten → zur Anoderm (perianaler Abszess)
- Quer → durch den äußeren Schließmuskel in die Ischiorectalgrube (ischiorektaler Abszess)
- Nach oben → in den suprapubicischen Raum (seltener)
- Submukös (seltener)
- Drainage des Abszesses
Ein Abszess kann spontan oder chirurgisch drainiert werden. Nach der Drainage des Abszesses sind zwei Szenarien möglich:- Vollständige Heilung (bei etwa 2/3 der Patienten)
- Fortbestehen des Infektionsherdes und Epithelisierung des Drainagekanals
- Entstehung einer chronischen Fistel
Wenn der septische Herd fortbesteht und es zu einer Epithelisierung des Drainagekanals kommt, entwickelt sich eine chronische Analfistel. Die Fistel verbindet den inneren Ausgang (an der Stelle der infizierten Drüse an der Kammlinie) mit dem äußeren Ausgang an der Haut.
Was sind die Symptome einer Analfistel?
Schmerzen:
Ständige, pochende Schmerzen im Analbereich. Die Schmerzen verstärken sich beim Sitzen, bei Bewegung, beim Stuhlgang und beim Husten.
Ausfluss:
Eitriger Ausfluss aus der äußeren Öffnung. Möglicherweise seröser, blutiger oder stuhliger Ausfluss. Ausfluss mit unangenehmem Geruch.
Zyklischer Charakter der Symptome:
Zyklisches Auftreten von Schmerzen, Schwellungen und Sekret. Periodisches Verschließen der äußeren Öffnung → Zunahme von Schmerzen und Schwellungen. Wiedereröffnung → Abfluss des Sekrets und Linderung der Symptome.
Hautirritation:
Feuchtigkeit im Analbereich, die zu folgenden Symptomen führt:
- Hautirritation
- Mazeration
- Juckreiz (Pruritus)
- Rötung und Schwellung
Seltenere Symptome:
- Fieber (bei begleitendem Abszess)
- Schwierigkeiten bei der Kontrolle des Stuhlgangs (Stuhlinkontinenz)
- Sichtbare äußere Öffnung als Hautöffnung in der Nähe des Anus
Körperliche Untersuchung:
Eine oder mehrere äußere Öffnungen, manchmal mit Granulationsgewebe
Die Palpation kann Folgendes aufzeigen: Druckempfindlichkeit, Eiterausfluss, verhärtete faserige Stränge, die in Richtung Anus verlaufen
Was sind die Indikationen für die Behandlung von Analfisteln mit der FiLaC-Methode?
Kryptoglanduläre Fisteln:
- Hochgelegene transsphinkterische Fisteln (Typ 3 nach Parks)
- Suprasphinkterische Fisteln (Typ 4 nach Parks)
- Fisteln bei weiblichen Patienten, unabhängig vom Typ
- Fisteln bei Patienten mit vorbestehender Sphinkterfunktionsstörung
Fisteln bei Morbus Crohn:
FiLaC wird bei allen Formen von perianalen Fisteln bei Morbus Crohn dringend empfohlen, sofern keine aktive Darmentzündung und keine Proktitis vorliegt.
Wie läuft die Behandlung einer Analfistel mit der FiLaC-Methode ab?
Vorbereitung des Patienten
Der Eingriff wird unter Vollnarkose, Leitungsanästhesie (Subarachnoidalanästhesie) oder Lokalanästhesie durchgeführt. Der Patient wird in die Lithotomieposition gebracht. Vor dem Eingriff kann eine vollständige Darmentleerung mittels Einlauf oder leichter Abführmittel empfohlen werden.
Identifizierung der Fistel
Der Chirurg identifiziert die äußere und innere Fistelöffnung. Eine Sonde oder ein Führungskatheter wird durch den Fistelgang eingeführt, um dessen Verlauf genau zu bestimmen.
Vorbereitung des Fistelkanals
Bei vielen Patienten wird vor dem endgültigen FiLaC-Eingriff ein Drainageseton für einen Zeitraum von mindestens 2 Monaten eingesetzt. Das Seton unterstützt die Drainage, die Reduzierung der Entzündung und das „Reifen“ der Fistel auf das richtige Kaliber, was die Wirksamkeit des Eingriffs erhöht.
Einführung der Lasersonde
Eine spezielle, elastische Lasersonde wird vom äußeren zum inneren Ausgang in den Fistelkanal eingeführt.
Aktivierung des Lasers
Der Laser wird standardmäßig auf eine Leistung von 12 W bei einer Wellenlänge von 1470 nm eingestellt. Die radial abgestrahlte Laserenergie bewirkt eine Denaturierung der Proteine in der Fistelwand sowie die Zerstörung des Granulationsgewebes und der Epithelauskleidung, was zu einer Kontraktion und zum Verschluss des Kanals führt.
Zurückziehen der Sonde
Die Lasersonde wird langsam mit einer Geschwindigkeit von 1 mm pro Sekunde (oder 5 mm alle 3 Sekunden) zurückgezogen, wobei der Fistelkanal von innen nach außen zerstört und verschlossen wird.
Verschluss der inneren Öffnung
Die innere Öffnung der Fistel wird mit einer Z-förmigen Naht (Acht-Naht) oder in ausgewählten Fällen mit einem Schleimhautlappen verschlossen.
Dauer des Eingriffs
Der gesamte Eingriff dauert in der Regel 15–20 Minuten (Spanne 6–35 Minuten).
Wie wirksam ist die FiLaC-Lasermethode bei der Behandlung von Analfisteln?
Primäre Heilung
- Systematische Übersicht über 7 Studien (454 Patienten): 67,3%
- Übersicht über 14 Studien (825 Patienten): zwischen 20% und 89%, meist 60-75%
- 10-Jahres-Studie (175 Patienten): 66,8% bei einer medianen Nachbeobachtungszeit von 60 Monaten
- Langzeitstudie (83 Patienten): 74,7% bei einer durchschnittlichen Nachbeobachtungszeit von 42 Monaten
Sekundäre Heilung (nach wiederholtem FiLaC):
- 73,7-88% nach dem zweiten FiLaC-Eingriff
- 78,3% Gesamtwirksamkeit nach erneutem FiLaC
- 81,9% Wirksamkeit von FiLaC in Kombination mit einem beliebigen zweiten Verfahren
Heilungsdauer
Die mediane Heilungsdauer beträgt 5 Wochen (Bereich 3-8 Wochen)
Rezidive
Rezidivrate: 11-23%
Rezidive treten am häufigsten im Zeitraum von 3 bis 18 Monaten nach der Behandlung auf
Komplikationen und Sicherheit
FiLaC zeichnet sich durch eine sehr niedrige Komplikationsrate aus.
Wie verläuft die Genesung nach einem FiLaC-Eingriff?
Krankenhausaufenthalt
Die meisten Patienten werden noch am selben Tag oder am Tag nach dem Eingriff entlassen.
In einigen Fällen kann ein eintägiger Krankenhausaufenthalt erforderlich sein.
Postoperative Schmerzen
Minimale Schmerzen im Vergleich zu herkömmlichen chirurgischen Methoden.
Die Schmerzen lassen sich mit üblichen Schmerzmitteln gut kontrollieren.
Rückkehr zur Arbeit:
bereits am Tag nach dem Eingriff möglich, sofern sich der Patient wohlfühlt.
Wiederaufnahme normaler Aktivitäten:
innerhalb weniger Tage bis zu 2–3 Wochen
Vollständige Heilung:
in der Regel 4-6 Wochen
Nachsorge:
Der Patient sollte sich bei folgenden Symptomen an seinen Arzt wenden:
- Hohes Fieber
- Zunehmende Schmerzen
- Starke Blutungen
- Schwellungen oder Rötungen an der Operationsstelle
- Starker eitriger Ausfluss
Ein Analfistel ist eine chronische, pathologische Verbindung zwischen dem Analkanal und der perianalen Haut, die nach der kryptoglandulären Theorie meist infolge einer Infektion der Analdrüsen entsteht. Diese Erkrankung betrifft häufiger Männer (1,8-9:1) im Alter von 20 bis 40 Jahren und äußert sich hauptsächlich durch Schmerzen, eitrigen Ausfluss sowie zyklische Schubphasen. Die korrekte Klassifizierung nach Parks und eine genaue anatomische Beurteilung sind entscheidend für die Wahl der geeigneten Behandlungsstrategie und die Vorhersage des Komplikationsrisikos, einschließlich Stuhlinkontinenz.
FiLaC ist eine sichere, wirksame und minimalinvasive Technik zur Behandlung von Analfisteln mit folgenden Vorteilen:
- Schont die Schließmuskeln – minimales Inkontinenzrisiko
- Kurze Behandlungsdauer – 15-20 Minuten
- Minimale postoperative Schmerzen
- Schnelle Rückkehr zu normalen Aktivitäten – innerhalb weniger Tage
- Gute Wirksamkeit – 65-75% primäre Heilung
- Möglichkeit der Wiederholung – sekundäre Wirksamkeit bis zu 88%
- Geringe Komplikationsrate – ca. 4%

