SiLaC – Laserbehandlung von Haarzysten im Kreuzbereich

SiLaC (Sinus Laser-assisted Closure) ist eine moderne, minimalinvasive Lasertechnik zur Behandlung von Haarzysten, die erstmals 2017 von Dessily beschrieben wurde. Diese Methode ist eine Adaption der FiLaC-Technik (die zur Behandlung von Analfisteln eingesetzt wird) für die Behandlung der Pilonidalerkrankung, d. h. von Haarzysten im Kreuzbein- und Gesäßbereich.
Da die Lasertherapie eine hervorragende Heilung, minimale Wundflächen und ausgezeichnete kosmetische Ergebnisse gewährleistet, ersetzt sie in diesem Fall erfolgreich die umfangreiche und traumatisierende chirurgische Operation.
Die Eingriffe werden von Dr. med. Marek Chlamtacz, FEBU, Facharzt für Urologie und Allgemeinchirurgie, durchgeführt.
In unserer Klinik orientieren wir uns seit 2004 an den Standards der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU).
Was ist eine Pilonidalzyste im Kreuzbeinbereich?
Eine Pilonidalzyste (Pilonidal Sinus Disease, Pilonidal Cyst) ist eine chronische Entzündung des Unterhautgewebes, die meist im Kreuz-Steißbein-Bereich (Sacrococcygeal Region) in der Gesäßfalte (Natal Cleft) auftritt. Der Name stammt aus dem Lateinischen: „pilus“ bedeutet „Haar“ und „nidus“ – „Nest“. Der Begriff wurde 1880 von R.M. Hodges eingeführt, obwohl die erste Beschreibung der Erkrankung bereits 1833 von O.H. Mayo stammt.
Die Erkrankung kann verschiedene klinische Formen annehmen:
- Pilonidales Abszess (pilonidal abscess) – akute Phase mit Infektion und Eiteransammlung
- Pilonidale Zyste (pilonidal cyst) – eine mit Haaren gefüllte Höhle, die als Folge eines lang anhaltenden Abszesses entsteht
- Pilonidale Fistel (pilonidal sinus) – ein Kanal, der die Höhle mit der Hautoberfläche verbindet
- Kleine Hautvertiefungen (pits) mit dunklen Flecken oder Haaren
Die drei Hauptursachen für die Entstehung von Haarzysten im Kreuzbeinbereich:
Die Theorie von Karidakis (die am weitesten verbreitete) geht davon aus, dass es drei Hauptursachen für die Entstehung von Haarzysten im Kreuzbeinbereich gibt:
- Haare oder Fremdkörper – lose, scharfe Haarfragmente (hauptsächlich vom Kopf, Rücken oder Gesäß)
- Kraft, die das Eindringen der Haare bewirkt – Negativdruck (Sogwirkung), der bei Bewegungen des Gesäßes, beim Sitzen und beim Beugen des Körpers entsteht
- Anfälligkeit der Haut – natürliche Empfindlichkeit der Haut im Gesäßspalt
Mechanismus:
Die aufrechte Körperhaltung (Sitzen, Stehen) führt dazu, dass abgebrochene Haare in die Mittellinie der Gesäßspalte eindringen und sich dort ansammeln. Die Haare werden durch die Bewegungen des Gesäßes tief in das Gewebe hineingezogen (Sogwirkung), und ihr Herausdrücken in die entgegengesetzte Richtung wird durch die Haken an den Haarspitzen verhindert.
Eine alternative Theorie ist die Bascom-Theorie. Bascom vermutete, dass das ursprüngliche Problem eine Entzündung des Haarfollikels ist, der sich durch Keratin ausdehnt, was zu Entzündung, Schwellung und Infektion führt. Nach dieser Theorie ist das Eindringen der Haare in die entstandene Höhle ein sekundäres Ereignis.
Was sind die Symptome eines Haarzystes?
- Schmerzen – anhaltende, pochende Schmerzen im Kreuz-Steißbein-Bereich
- Schwellung und Rötung – insbesondere in der akuten Phase
- Eitriger Ausfluss – Abfluss durch äußere Öffnungen
- Fieber und Schüttelfrost – bei einem akuten Abszess
- Charakteristische Vertiefungen (Pits) in der Mittellinie, meist 4-8 cm vom After entfernt
- Zyklischer Charakter der Symptome – periodische Verschlimmerungen und Linderungen
- Haare in der Zystenhöhle – bei etwa 2/3 der Männer und 1/3 der Frauen vorhanden
Was sind die Indikationen und Kontraindikationen für die Behandlung von Haarzysten im Kreuzbeinbereich mit der SiLaC-Methode?
Optimale Kandidaten:
- Patienten mit persistierenden Vertiefungen, Höhlen oder Pilonidalkanälen
- Primäre oder rezidivierende Erkrankung (bisher unbehandelt oder nach früheren Eingriffen)
- Einfache, unverzweigte Fälle – beste Ergebnisse
- Patienten nach Abszessdrainage (mindestens 6 Wochen nach akuter Entzündung)
Kontraindikationen:
- Aktiver Abszess – erfordert zunächst eine chirurgische Drainage.
Wie läuft die Behandlung von Haarzysten im Kreuzbeinbereich mit der SiLaC-Methode ab?
Vorbereitung des Patienten
- Anästhesie: lokal (85,7% der Fälle), regional oder allgemein
- Lagerung: Patient in Bauch- oder Seitenlage
- Vorbereitung des Operationsfeldes: Rasur, Desinfektion der Haut mit alkoholischem Chlorhexidin
- Lokale Betäubung: Injektion von 20 ml Bupivacain oder Ropivacain als Anästhetikum und zur Erhöhung des Drucks entlang der Sinuswände
Schritte des Eingriffs
- Erweiterung der Öffnungen – Die Pilonidalhöhlen (Pits) werden mit einer Trepanbohrspitze mit einem Durchmesser von 3-8 mm (meistens 3 mm – 90,1% der Fälle) erweitert
- Reinigung des Kanals – Haare und Rückstände werden mit einem chirurgischen Löffel (Kürette), einer Pinzette oder einer Spülung mit physiologischer Kochsalzlösung aus den Fistelkanälen entfernt
- Einführen der Lasersonde – ein radialer Diodenlaser mit einer Wellenlänge von 1470 nm wird in den Fistelkanal eingeführt
- Laserablation – Laserenergie von 10-13,5 W wird im Puls- oder Dauerbetrieb abgegeben, während die Sonde mit einer Geschwindigkeit von 1 mm pro Sekunde zurückgezogen wird
- Wundverschluss – Die Wunden werden mit einem Vaseline-Tupfer versorgt
Dauer des Eingriffs
Median: 7-26 Minuten (Bereich 3-35 Minuten)
Der Eingriff ist deutlich kürzer als bei herkömmlichen chirurgischen Techniken.
Wie wirksam ist die SiLaC-Laserbehandlung bei der Behandlung von Haarzysten im Kreuzbeinbereich?
Nach einer einzigen SiLaC-Behandlung:
Vollständige Heilung: 66-95,8% der Patienten
- Studie mit 92 Patienten (Horesh et al.): 81,3%
- Studie mit 200 Patienten (Dessily et al.): 94% (primäre Heilung)
- Studie mit 24 Patienten (Algazar et al.): 95,8%
- Studie mit 311 Patienten (niederländisch): 66% nach der ersten Behandlung
Nach einer wiederholten SiLaC-Behandlung:
- Wirksamkeit nach der zweiten SiLaC-Behandlung: 92%
- Wirksamkeit nach der dritten SiLaC-Behandlung: 98%
Teilweise Heilung:
- 8,8% der Patienten erreichten eine unvollständige Heilung, die aufgrund fehlender Symptome keine erneute Intervention erforderte
Heilungsdauer:
- Durchschnittliche Dauer: 17,3-19,5 Tage (Bereich 1-24 Wochen)
- 95% der Patienten erreichen eine vollständige Epithelisierung innerhalb von 3 Wochen
- Median der Heilungsdauer: 4-6 Wochen
Rezidive:
Rezidivrate: 9,9-26% nach einem einzelnen Eingriff
- Studie mit 92 Patienten: 9,9% (Rezidiv/keine Heilung)
- Studie mit 200 Patienten: 14,9% bei einer durchschnittlichen Nachbeobachtungszeit von 193,5 Tagen
- Niederländische Studie (311 Patienten): 26% Rezidive bei einer medianen Nachbeobachtungszeit von 10 Monaten
Rezidive treten am häufigsten etwa 6 Monate nach dem Eingriff auf (Bereich 3-12 Monate)
Höhere Rezidivrate bei verzweigten Fällen: 11,1% (nicht verzweigt) vs. 57,1% (einzelner Ast)
Komplikationen:
Gesamtkomplikationsrate: 14-20,83%
Häufigste Komplikationen:
- Wundinfektion: 4-12,5% (häufigste Komplikation – 50% aller Komplikationen)
- Postoperative Schmerzen: minimal, meist nur am ersten Tag
- Blutungen: 0% in den meisten Studien
Keine schweren Komplikationen – alle Komplikationen sind geringfügig und lassen sich leicht behandeln.
Wie verläuft die Genesung nach einem SiLaC-Eingriff?
Krankenhausaufenthalt:
- Ambulanter Eingriff – die meisten Patienten werden noch am selben Tag entlassen
- Der Eingriff wird häufig im Behandlungszimmer unter örtlicher Betäubung durchgeführt
Postoperative Schmerzen:
Minimale Schmerzen – hauptsächlich am ersten Tag nach dem Eingriff
- 84% der Patienten benötigen keine Schmerzmittel oder kommen mit Paracetamol aus
- Durchschnittliche Dauer der Einnahme von Schmerzmitteln: 4,72 Tage
- VAS-Skala: Rückgang von 4 am ersten Tag auf 0 am siebten Tag
Körperliche Aktivität:
- Gehen und Sitzen sind unmittelbar nach dem Eingriff möglich
- Duschen ist nach 24 Stunden ohne Verband möglich
- Rückkehr zu normalen Alltagsaktivitäten: durchschnittlich 6 Tage (Bereich 0-42 Tage)
Rückkehr zur Arbeit:
Schnellste Rückkehr zur beruflichen Tätigkeit:
- Durchschnittliche Dauer: 2,4-6 Tage (Bereich 0-14 Tage)
- 92,3% der Patienten nehmen ihre Arbeit innerhalb von 24 Stunden wieder auf
- Deutlich kürzer als bei herkömmlichen chirurgischen Techniken.
Postoperative Versorgung:
Wundversorgung:
- – Einfache häusliche Pflege – der Patient wechselt die Verbände selbst gemäß den Anweisungen
- – Erfordert keine häufigen Besuche beim medizinischen Personal
- – Bäder in warmem Wasser (Sitzbäder) empfohlen
- – Enthaarung der Umgebung – regelmäßige Haarentfernung (Rasieren, Laser) bis zur vollständigen Heilung
Einschränkungen:
- Intensive körperliche Anstrengung, Kontaktsportarten: dürfen nach 6 Wochen wieder aufgenommen werden
- Längerer Aufenthalt im Wasser (Bad, Schwimmbad): 6 Wochen lang vermeiden
Postoperative Kontrollen:
- Kontrolltermine alle 2 Wochen über 2 Monate
- Anschließend langzeitliche Beurteilung (telefonisch oder persönlich)
Eine Haarzyste im Kreuzbeinbereich ist eine erworbene Entzündung des Unterhautgewebes in der Gesäßfalte, die dadurch verursacht wird, dass sich scharfe Haarspitzen in die Haut bohren und eine Folge-Reaktion auf den Fremdkörper auslösen. Betroffen sind vor allem junge Männer (20-30 Jahre) mit übermäßiger Behaarung und einer sitzenden Lebensweise.
Die SiLaC-Methode zeichnet sich aus durch:
- eine hohe Primärheilungsrate (66-95,8%)
- minimalen postoperativen Schmerzen
- eine sehr schnelle Rückkehr zur Arbeit (2-6 Tage)
- eine einfache postoperative Nachsorge
- eine niedrige Komplikationsrate (14-20%)
- eine hohe Patientenzufriedenheit (9/10)
Die besten Ergebnisse werden bei einfachen, unverzweigten Fällen bei Patienten mit normalem Körpergewicht erzielt. Im Falle eines Rückfalls kann der Eingriff mit guter Wirksamkeit (92-98%) wiederholt werden. SiLaC kann als Therapie der ersten Wahl bei der Behandlung der Pilonidalerkrankung eingesetzt werden, insbesondere bei jungen, berufstätigen Patienten.
Vorteile von SiLaC bei der Behandlung von Haarzysten im Kreuzbereich:
- Minimalinvasiv – kleine Wunden, keine großen Narben
- Kurze Behandlungsdauer – 7-26 Minuten
- Durchführbar unter Lokalanästhesie – 85,7% der Fälle
- Minimale postoperative Schmerzen
- Schnelle Rückkehr zur Arbeit – durchschnittlich 2-6 Tage
- Einfache postoperative Versorgung – keine häufigen Verbandwechsel
- Hohe Patientenzufriedenheit (9/10)
- Gute Wirksamkeit – 66-95% nach dem ersten Eingriff
- Wiederholungsmöglichkeit – die Wirksamkeit steigt nach weiteren Behandlungen auf 92-98%
- Geringe Komplikationsrate – 14-20%
- Erhaltung der natürlichen Gesäßkontur – keine Veränderung der Anatomie
Nachteile von SiLaC bei der Behandlung von Haarzysten im Kreuzbeinbereich:
- Blindverfahren – Möglichkeit, seitliche Verzweigungen oder tiefe Vertiefungen zu übersehen
- Beseitigt die tiefe Gesäßfalte nicht – theoretisch besteht das Risiko der Entstehung neuer Vertiefungen
- Schlechtere Ergebnisse bei verzweigten Fällen (57% Rezidive)
- Schlechtere Ergebnisse bei übergewichtigen Personen (BMI > 29)

